Hansjörgs Blogeinträge

Von Barock bis Biedermeier

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Von Barock bis Biedermeier" befassen.

Mit den Anschlägen der 95 Thesen an die Türen der Wittenberger Schlosskirche 1517 durch Martin Luther wurde der Konfessionsstreit der christlichen Kirchen vor allem auf Deutschem Gebiet für lange Zeit festgeschrieben. Als Folge wurde 1534 in Paris von Ignatius von Loyola der Jesuitenorden der Katholischen Kirche gegründet, dessen Hauptziel die Wiederherstellung des alleinigen katholischen Glaubens war. 1555 wurde zur Stärkung der evangelischen Sache im Augsburger Religionsfrieden vereinbart, dass der jeweilige Regent eines Landes die Religionszugehörigkeit all seiner Untertanen bestimmt. Darauf folgten zahlreiche Auseinandersetzungen, die schließlich durch den Westfälischen Frieden 1648 durch die Festschreibung eines Status quo beendet wurden.

In diese Zeit fallen die Anfänge des Barock. Sie beginnt Ende des 16. Jahrhunderts mit dem Frühbarock, es folgt das Hochbarock und schließlich bis Ende des 18. Jahrhunderts das Spätbarock, bzw. das Rokoko. Die Regierungsform ist der Absolutismus und die jeweiligen Regenten - ob über große Länder wie Frankreich oder über Regionalstaaten wie in Deutschland - bestimmen das kulturelle Leben, meist unterstützt von den jeweiligen Konfessionen.

Es ist eine widersprüchliche Zeit, in der viel Unsicherheit, aber auch viel Lebensfreude spürbar wird. Besondere Leistungen des Barock liegen im Städtebau, in dem bildlich nachvollziehbar die Palastanlage mit prächtigen Gärten in einem zentralen Bereich angeordnet ist, auf die sich das gesamte Straßennetz der sich anschließenden Wohn- und Arbeitsbereiche der Bürger bezieht. Für die Palast- und Parkanlagen sind meist französische Anlagen Vorbild. Ein weiterer Schwerpunkt in der baulichen Umsetzung ist die Errichtung von Kirchen- und Klosteranlagen. Diese entstehen nicht nur innerhalb der Städte, sondern auch außerhalb in landschaftlich herausragenden Lagen eingebunden, z.B. in die Abgeschiedenheit von Flußauen oder auf Bergrücken, die dem Ankommenden schon von Weitem sichtbar seine Aufmerksamkeit abverlangen.

Es handelt sich hierbei um eine Demonstration, die den absoluten Machtanspruch der jeweiligen Eigentümer, sowohl staatlicher, als auch kirchlicher Zuordnung, präsentieren. Der Barockbaustil hat seine Wurzeln in der Renaissancearchitektur. Seine Formsprache kann in vieler Hinsicht als eine Weiterentwicklung der in der Renaissance gefundenen formalen Lösungen gesehen werden.

Das wichtigste Merkmal des Barock mit den markantesten Unterschieden zur Renaissance liegt aber vor allem in der Gestaltung des Innenraums, in demsich Architektur, Bildhauerei, Malerei und Musik zu einer Einheit zu verschmelzen beginnen, in der die räumliche Begrenzung immer weniger nachvollziehbar wird, die Grenzen zwischen Raum und Zeit schwinden.

Die räumliche Ausbildung ist umso ausgeprägter, je größer die kulturellen Konflikte in der Gesellschaft vorhanden waren. Umgekehrt kann festgestelltwerden, dass die Abweichung bzw. Weiterentwicklung des Renaissancestils dort am geringsten ist, wo keine Auseinandersetzung mit den Konfessionenstattgefunden hat.

Nach der Spätbarock- und Rokokozeit hat von Anfang bis Mitte des 19. Fahrhunderts in der Biedermeierzeit das Bürgertum die ehemaligen Herrscherstrukturen aufgebrochen, immer mehr an Selbstbewusstsein gewonnen und sich über den handwerklichen und kunsthandwerklichen Bereich der Gestaltung seines Umfeldes zugewandt. Dabei ist in großen Teilen die Formsprache des Barock aufgenommen worden.

Es sind in der dekorativen und praktischen Anwendung hervorragende Produkte, wie Tische, Stühle, Vitrinen, Schränke, Verkleidungen, Fenster- und Türen entstanden und natürlich auch schmucke Gebäude oder Gebäudeteile wie Fassaden, Giebel, Erker usw. Wie kaum in einer anderen Kulturepoche wurden in den Jahrhunderten des Barock bis zum Rokoko die Bildenden Künste, Musik usw. zu einer Gesamtkunstform verwoben, die auch jetzt noch in nachvollziehbarer Weise erlebt werden kann.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 24.10.2018 und wird sich mit dem Thema: "Neugotik" beschäftigen.

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