Hansjörgs Blogeinträge

Jugendstil

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Jugendzeit" befassen.

Der Jugendstil oder Art Nouveau ist eine kunstgeschichtliche Epoche Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts. Andere Bezeichnung dies- und jenseits des Atlantiks sind Reformstil, Secessionsstil, Yachting Style, Modernisme sowie ähnliche Bezeichnungen - je nach Kulturkreis.

Die vielen unterschiedlichen Bezeichnungen können als Indiz gedeutet werden, dass es sich hier weniger um einen einheitlichen Stil, als vielmehr um eine Art Bewegung vieler Künstler handelt, die versuchen, der industriellen Massenproduktion ihrer Zeit, kunstvolle handwerkliche Produkte entgegenzusetzen.

Erste Impulse gehen Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts von der Arts and Crafts- Bewegung in England aus. Hier wurden neue Ideen vor allem für Möbel und Gebrauchsgegenstände entwickelt, deren Formsprache keinen Bezug zu den historisch orientierten vorausgegangenen Epochen hatte, sondern in denen versucht wurde, für beabsichtigte Nutzungen eine entsprechende Form neu zu finden.

Anregungen kommen aus der Bewunderung vieler Zeitgenossen für die seit Mitte des 19. Jahrhunderts gestalteten englischen Landschafts-gärten. Weitere Impulse rühren von der Darstellungsweise in japanischen Zeichnungen und Holzschnitten, die durch ihre Zweidimensionalität Auswirkungen auf Grafik, Dekorationskunst und Ornamentik des Jugendstils hatten.

Allgemeine Tendenzen in der Grafik, im Buchdruck, in der Malerei, in der Keramik-, Töpfer- und Glaskunst - aber auch in der Lyrik, der Musik und in dem neuen Medium Fotografie und Film - liegen in der Begeisterung für Symbolik, für freies Spiel der Formen, für naturhafte und geometrische Vielfalt. Bildhafte Elemente mit Motiven aus der Welt der Pflanzen, Tiere und Menschen werden in den Proportionen häufig durch lang gestreckte Formen verfremdet und erhalten somit einen zauberhaften, der Wirklichkeit entrückten Ausdruck - zuweilen bis ins Groteske übersteigert.

Anders in der Architektur: hier sind Beispiele zu finden, die sich zum einen noch sehr an den vorausgegangenen Baustilen anlehnen, lediglich formale Jugendstilelemente aufnehmen und zum anderen Neuschöpfungen, bei denen sich Form und Inhalt bis ins kleinste Detail zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügen.

Bevorzugte Materialien sind Beton, Eisen, Stahl, Glas und Sandstein, aus denen Wände, Gesimse, Sockel und Fenster geformt sind, ergänzt durch Reliefs, die die gesamte Fassade überdecken können, sowie durch Teil- oder Totalfiguren, die mit expressivem Ausdruck Akzente setzen, auch durch herrlich gestaltete Treppenhäuser. Großer Wert wird auf die Ehrlichkeit der Konstruktion gelegt, in dem sie - nicht immer versteckt - eine schmückende funktionsgerechte Ausformung der Baudetails zeigt. Ein besonderer Meister in dieser Hinsicht war Gaudi, der in seinen Säulenhallen z.B. die Stützen schräg stellte, damit sie die horizontalen Schubkräfte aus Deckenkonstruktionen ohne zusätzliche Strebewerke seitlich ableiten konnten.

Trotz vieler Neuerungen ist es nicht gelungen, nach dieser Zeit die neu gefundenen Ausdrucksformen weiter zu entwickeln. Der Jugendstil entsprach nicht dem Verständnis der breiten Mehrheit. Es war aber ein wichtiger Versuch, die Gesellschaft zu gestalten.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 7.11.2018 und wird sich mit dem Thema: "Die Moderne" beschäftigen.

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