Hansjörgs Blogeinträge

Die Romantik

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Die Romantik" befassen.

Während der Völkerwanderungszeit sind im Bereich der ehemals römischen Gebiete in Süd-, West-, Nordwest und in Mitteleuropa nur vereinzelt große Bauwerke entstanden, z.B. in Ravenna - Sitz des Ostgotenkönigs, der den Anstoß zum Bau zahlreicher Kirchen sowie für sein Mausoleum gab - und in Rom - Sitz des Papstes, der seit spätrömischer Zeit repräsentative Bauwerke errichten ließ. Im übrigen Land fehlten die Strukturen, die eine Wirtschaftsmacht bündeln muss, um große Bauwerke zu ermöglichen, und es fehlte auch der Wille zur Präsentation. Ein weiterer Grund ist in der Ablehnung vieler germanischer Völker zu suchen, denen die Kälte ausstrahlenden Steinbauten fremd waren. Sie bevorzugten nach wie vor die überkommene Holzbauweise.

Nachdem sich die Machtverhältnisse in frühchristlicher Zeit zunehmend nach Mitteleuropa nördlich der Alpen bis zur Donau und westlich des Rheins ins Reich der Franken verlegt hatten, entstanden hier wieder auf dem Gebiet des ‚Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation’ erste große Bauwerke - vor allem Kirchen - z.B. der Dom zu Aachen oder etwas später Klosteranlagen wie in Cluny.

Für die ersten Kirchen dienten als Vorbild die römischen Gerichtsgebäude, die meist als dreischiffige Basilika errichtet worden waren - die Stelle des Gerichts ist am Ende der mittleren Querachse platziert und oft durch eine Apsis markiert. Der Kirchenbau verlegte die Apsis auf die Giebelseite des Mittelschiffs und den Zugang auf die gegenüberliegende Seite, sodass ein längsgerichteter Raum entstand, der vom Eingang aus durchschritten werden konnte und der es ermöglichte, vor der Apsis inne zu halten. Die Apsis stand für das Göttliche und der Längsraum war der Ort für die Gemeinde. Dieses Grundrissschema wurde schon in vorromanischer Zeit erweitert und z.B. durch Nebenchöre als Abschluss der Seitenschiffe, sowie durch Turmanlagen beidseitig der Giebel des Mittelschiffs und der Querschiffe ergänzt oder durch das so genannte‚ Paradies’, das einen Vorhof im Bereich der Eingangstüren zum Kircheninnern bildete.

Dieser Bautyp wurde bei großen Kirchanlagen wie beispielsweise bei Domanlagen um ein bis zwei Querschiffe ergänzt - als Sinnbild für das Kreuz von Golgatha. Dabei wurde über der so entstandenen Vierung der Deckenbereich durch eine Kuppel mit seitlichem Lichteinfall ergänzt. Hierin lässt sich die Absicht einer Art Durchdringung von Längsbau und Zentralbau erkennen. Beispiele finden sich im Rheinland, in Mainz, Worms und Speyer oder im Elsass oder eine Generation später im Bereich der östlichen Reichserweiterungen, wie Königslutter, ferner in Spanien die Kathedrale Santiago de Compostela oder in Südfrankreich die Cathedrale St,-Front.

Daneben entstanden in den Reichserweiterungsgebieten auch viele dörfliche Kirchengebäude mit nur einem Schiff, mit in der Höhe abgesetztem Chor, mit einer Apsis und mit einem Turm der gleichzeitig als Zugang zum Kircheninneren dient. Später wurde es üblich, reine Zentralbauten ausschließlich für Tauf- und Friedhofskirchen vorzuhalten.

Charakteristisch für romanische Bauten ist das Zusammenfügen kubischer Baukörper gemäß oben angeführtem Schema in einem gebundenen System aus Quadraten - d.h. Seitenschiffe haben halb so große Längen wie das Mittelschiff. Auf den Wandflächen der Innenräume sind häufig bildliche Darstellungen religiöser Themen zu finden sowie auf den Decken-flächen, soweit sie nicht als sichtbare Fachwerkskonstruktion ausgeführt sind.

Weitere Charakteristika sind kleine Rundbogenfenster auf den Außenseiten und im Bereich des Erdgeschosses durch Bogen und Säulen oder Stützen gegliederte Innenwände zwischen Mittelschiff und Seiten-schiff, soweit vorhanden. Charakteristisch ist auch der Rundbogenfries - häufig in Verbindung mit Pilaster zur Gliederung der Wandflächen.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 19.09.2018 und wird sich mit dem Thema: "Die Gotik in Frankreich" beschäftigen.

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