Hansjörgs Blogeinträge

Die Gotik in Frankreich

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Die Gotik in Frankreich" befassen.

Die Kathedrale ist im Innenraum ‚gebauter’ Glaube und nach außen Trutzburg, ein mächtiger Solitär innerhalb einer meist klein strukturierten baulichen Umgebung.

Der mittelalterlichen Feudalgesellschaft mit ihren staatlichen und kirchlichen Obrigkeitsstrukturen wird hier ein beispiellos beeindruckendes Bauwerk vor Augen geführt, das den Besucher aus seinem irdischen Dasein überhöht.

Der gläubige Anwohner oder der Pilger betritt das Innere über die Haupteingänge in der Turmfront und ist überwältigt von der Schlankheit und Höhe des Innenraums, das den Himmel einzubeziehen scheint, von der Lichtdurchflutung, den informierenden Plastiken und Bildern, denen er fortschreitend durch das Schiff und um den Chorraum herum begegnet und schließlich in der Mitte vor dem überhöhten Altarbereich stehend begreifen lernt.

Stilmerkmale der Gotik sind Spitzbogen, Maßwerk, Rippengewölbe und die Horizontale - durch angedeutete Gesimse als Bezug zum menschlichen Maß. Das gestalterische Ziel ist, den massiven Wandaufbau durch mehrere, hintereinander angeordnete Ebenen und durch großflächige meist bunt gestaltete Fenster und Öffnungen so zu modifizieren, dass durch diese Mehrschichtigkeit jegliche Massigkeit aufgelöst wird und dass der durch Licht durchflutet Innenraum ein Gefühl für das Überirdische entstehen lässt.

Das Konstruktionsprinzip ist darauf ausgelegt, nur die vertikalen Kräfte aufzunehmen und sämtliche Schubkräfte aus dem Gewölbe seitlich über Stützglieder und Bögen nach außen abzuleiten. Durch die Reduzierung der Wandflächen tritt auch deren Gestaltung durch Bilder zurück zugunsten von plastischen Darstellungen.

Diese in Steinbauweise neu gefundenen Stilelemente sind ein Beispiel größter technischer Leistungen und lassen sich nur durch das Wissen über das Wesen der verloren gegangenen, germanischen Holzarchitektur, z.B. in den Stabkirchen, sowie in der Auseinandersetzung mit dem römischen Erbe - das Bauen mit Steinen - erklären. Diese Vollkommenheit in der Synthese von römischer und germanischer Wesensart wurde später nicht mehr erreicht.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 26.09.2018 und wird sich mit dem Thema: "Die Deutsche Sondergotik" beschäftigen.

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