Hansjörgs Blogeinträge

Bauhaus

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige und vorerst letzter Beitrag wird sich mit dem Thema "Bauhaus" befassen.

Walter Gropius gründete 1919 durch Zusammenlegung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule und der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule in Weimar die Kunstschule, später umbenannt in Bauhaus. Um Produkte berufsübergreifend auf höchstem Niveau herzustellen, wurden die bildenden Künste, die Handwerkskünste und die Darstellenden Künste einschließlich der entsprechenden Handwerkskünste wie die der Holz-, Eisen- und der Stahlverarbeitung, der Druckkunst, der Weberei usw., ähnlich dem Vorbild der Mittelalterlichen Bauhütten an einem Ort zusammengeführt.

Wie schon in der vorausgegangenen Epoche des Jugendstils in Anfängen zu beobachten, sollten auch im Bauhaus, aber zielgerichtet jüngere und ältere Auszubildende von Künstlern und Handwerkern auf der Grundlage eines Lehrplans in der praktischen Anwendungen neuer Formen geschult werden.

Im Jugendstil waren die Bemühungen punktuell überwiegend auf die Entwicklung im ornamentalen Bereich gerichtet, während im Bauhaus die Ehrlichkeit der Konstruktion und der Verarbeitung des Materials durch rational gestaltete Produkte anstrebt wurde. Das Anliegen war, formschöne Möbel und Gebrauchsgegenstände, aber auch kostengünstigen Wohnraum durch industrielle, modulare Bauweise einem breiten Kreis der Bevölkerung zugänglich zu machen und das Verhältnis von Bildung, Kunst und Gesellschaft neu zu bestimmen.

1925 fand der Umzug der gesamten schulischen Einrichtung nach Dessau statt, wo Walter Gropius einen bahnbrechenden Neubau einschließlich Innenausstattung realisiert hatte. Hier entstanden in kurzer Zeit Gebäude für Verwaltung, Schulung, Ateliers und Werkhallen sowie weitere Anlagen wie Einfamilienhäuser für Mitarbeiter des Bauhauses, die sogenannten Meisterhäusern, Wohnungen für Studierende, Mehrfamilien- und Laubenganghäuser, industrielle Gebäudeanlagen z.B. für die Junkerswerke und vieles mehr. Ein Höhepunkt der Bauhauskultur war:

1927 die Ausstellung der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die beispielhaft den Entwicklungsstand im Wohnungsbau dokumentieren sollte und bei deren Umsetzung sich viele Architekten - auch aus Dessau – beteiligten.

1932 wurde auf Betreiben der örtlichen NSDAP die Schließung des Bauhauses in Dessau angeordnet und es folgte die Verlegung als private Einrichtung nach Berlin-Lankwitz,

1933 dann die endgültige Schließung nach Repressalien und Hausdurchsuchungen bis zur erzwungenen Selbstauflösung.

Gegen Ende und nach der Auflösung wanderten viele Mitarbeiter aus, zum Teil in die USA und gründeten dort neue Schulen des sogenannten ‚International Styls’, die in der Folge das Architekturgeschehen auf allen Ebenen wesentlich bestimmten sowie einige nach Israel und in andere Länder außerhalb des Einflussbereichs der Nationalsozialisten.
Der Bauhausstil galt in den westlichen Demokratien als Beispiel modernen Bauens. In den östlichen Sozialistischen Staaten sind parallel zur Bauhauszeit einige Bauwerke in ähnlichem Stil, dem Konstruktivismus entstanden.

Nachdem der politische Druck in Dessau durch Repressalien der Nationalsozialisten zugenommen hatte, scheiterte 1931 ein weiterer Versuch der Bauhaus-Stoßbrigade Rot Front in Russland, die im Bauhaus entwickelten Ideen in der Sowjetunion durch emigrierte ehemalige Bauhausarchitekten zu verbreiten. Schließlich setzte sich dort der Sozialistische Klassizismus, ein vom Neoklassizismus abgeleitete Baustil oder Zuckerbäckerstil durch, der sich bis Anfangs der 50er-Jahre hielt.

Ab ca. 1970 wird die Durchführung großer Wohnprojekte in Modulbau-weise im Westen immer kritischer gesehen. Diese Vorhaben wurden meistens nach rein ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichtet und trotzdem dem Bauhausstil angelastet. Architekten und Investoren hatten verdrängt, dass die Menschenwürde – d.h. schöner, funktionaler und bezahlbarer Wohnraum einschließlich lebendig gestalteter Außenbereiche - das Maß aller Dinge sein muss.

Trotz vieler Fehlentwicklungen hat der Bauhausstil mit seinen Grundideen auch heute noch Gültigkeit, vor allem dann, wenn er menschliche Beharrlichkeit und Fortschrittswille zusammenführt und Erleben in einem gesellschaftlich, künstlerisch gestalteten Umfeld ermöglicht.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 14.11.2018 und wird sich mit dem Thema: "Die Moderne" beschäftigen.

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