Hansjörgs Blogeinträge

Bauen für Kinder

Bauen für Kinder

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Bauen für Kinder" befassen.

Sind Erfahrungen aus der Erwachsenenwelt auf die Kinderwelt übertragbar?
Diese Frage kann nur mit Einschränkung bejaht werden. Voraussetzung ist ein echtes Verständnis für das Erleben in der Kinderwelt.

Wo liegen die Unterschiede?
Kinderwelt ist keine kleine Erwachsenenwelt oder Spaßwelt, wie sie von vielen, auch von Architekten falsch eingeschätzt wird, sondern sie ist eine eigene Welt, in der jedes Kind durch die Erziehung zunächst die eigene körperliche und dann in Teilen die kulturelle Entwicklung des Kulturkreises, in das es hineingeboren wurde, durchlebt. Das kann aus vielen Kinderzeichnungen hergeleitet werden.

Für die Architektur bedeutet das, eine Abstimmung mit den verantwortlich begleitenden, Pädagogen zu suchen. (Vorschriften über Barrierefreies Bauen sind einzuhalten) Es ist deshalb mit Sicherheit wichtig, auf die Bedürfnisse der Kinder, die sie selber nicht formulieren können, durch entsprechendes architektonisches Gestalten hinzuwirken.

Pädagogische Überlegungen:
Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen Fähigkeiten und Begabungen. Es gehört zu den erzieherischen Aufgaben, diese zu formen und zu fördern. Wird das Kind in eine Kindergartengruppe aufgenommen, erlebt es zunächst seine eigene Gruppe und lernt später andere Gruppen des Kindergartens kennen. Kindergartengebäude und Außenanlagen sollten darum so gestaltet sein, dass sie um das Kind schützende Hüllen bilden, um trotz ständig sich erweiternden Umfeldes, ihm das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit zu geben.

Entwicklung findet in rhythmischem Wechsel zwischen polaren Bestrebungen statt. Wird Geborgenheit und Sicherheit erlebt, erwächst die innere Kraft, neue sinnliche und soziale Erfahrungen zu machen. Die Architektur sollte versuchen, für diese Bedürfnisse eine angemessene Lösung anzubieten. Denn durch Einsatz entsprechender Gestaltungsmittel hat sie unmittelbaren Einfluss auf das Gefühls- und Gemütsleben des Menschen, besonders stark auf das des noch bildsamen Kindes zu nehmen, wie zum Beispiel: Größenverhältnisse, Wiederholungen von Formen, Varianten, Winkel, gerade Wege oder solche mit Umwegen, gestreckte oder kompakte Räume, die Wahl von Oberflächen usw.

Hierbei ist das richtige Verständnis für die Wirkungsweise von Formen und Farben auf das menschliche Empfinden zu bedenken.

Materialien:
Die Wahl der Baustoffe sollte dem Kind ein Gefühl für die Echtheit eines Materials vermitteln. Physikalische Eigenschaften wie schwer oder leicht, hart oder weich, zusammengesetzt oder aus einem Guss, kalt oder warm, gleich bleibend oder sich verändernd usw. sind Sinneseindrücke, die dem Kind ein differenziertes Erleben natürlicher und damit elementarer Baustoffe vermitteln. Form und Inhalt müssen sich entsprechen. Die Erlebnisvielfalt soll im Kind eine Vielzahl sinnlicher Wahrnehmungen ermöglichen, Bewusstsein anlegen und erweitern.

Gestalterische Aspekte:
Die Gestaltung des Gebäudes kann dem Urtyp eines Hauses angepasst werden. Die Hülle des Gebäudes entsprechend dem klassischen dreigliedrigen Aufbau:

Bauen für Kinder 2

Es besteht aus einem beschützenden Dach, dem Baukörper und Basissockel über dem Erdreich, dem dreigliedrigen Menschenbild entsprechend, auch in der gesamten Detailausbildung keine Anwendung willkürlicher Formen, sondern bewusst vorgenommene Gestaltung:

Der Eingangsbereich ist maßstäblich und so darzustellen, dass er dem Kind schon beim Betreten des Gebäudes ein Gefühl des vertraut seins und der Sicherheit vermittelt. Des Weiteren ist im Innern des Gebäudes eine Halle oder ein markanter Punkt z.B. durch einen Kamin auszubilden, der von vielen wichtigen Stellen aus sichtbar der Orientierung in allen Verkehrsbereichen dient. Gruppenräume sind so anzulegen, dass sich auf dem Weg dorthin und innerhalb dieser sich viele Möglichkeiten des Erlebens ergeben.

Diese sind durch die Art der Raumanordnung so anzulegen, dass sich die Kinder entweder zurückziehen oder der Außenwelt zuwenden können. Die Gruppenräume sollten so zugeschnitten sein, dass aus Sicherheitsgründen ein Weg ins Freie sowohl direkt oder beispielsweise über eine Schmutzschleuse oder über einen rückwärtigen weiteren Zugang von außen stattfinden kann.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 08.08.2018 und wird sich mit dem Thema: "Heilpädagogische Einrichtungen" beschäftigen.

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