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Italienische Sondergotik

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Die Italienische Sondergotik" befassen.

Die Gotik in den mediterranen Ländern, Sonderfall Italien

Die Besiedlung von Gebieten in Mittel- West- und Süd-Europa hat in den jeweiligen Ländern, in denen germanische Völker wie Franken, Westgoten, Ostgoten, Langobarden usw. nach der Völkerwanderung sesshaft geworden sind, das durch die römische Kultur geprägte Leben verändert. Dem entsprechend entstanden in der Zeit der Gotik Bauwerke, deren Ausprägung sich nach den gegebenen Besonderheiten unterscheiden.

In Nord- und Mittelspanien wurde der Kathedralenbau von der französischen Gotik und der westgotischen Kultur beeinflusst. Das wird im Innern wahrnehmbar durch die Grundrissgestaltung, dem Wandaufbau, jedoch abweichend in der Differenzierung der netzartigen Deckengewölbe über den Kirchenschiffen, sowie in den Doppelturmfassaden, deren Helmabschlüsse auffallend von der Deutschen Gotik inspiriert sind. Weiter in südlicher Richtung nehmen die Prägungen durch römische und maurische Einflüsse zu. Das betrifft die Vorliebe für zahlreiche Anbauten, die weitgehend Rücknahme der Doppelturmfassaden, die stärkere Betonung der Horizontalen und die verspielten Detailausformungen.

Die Baukultur in Südfrankreich ist weniger durch germanische Einflüsse, sondern durch die Katharer Bewegung geprägt. Die zunehmende Verfolgung ihrer Mitglieder durch die katholische Kirche ließ hier einen wehrhaften Baustil entstehen, der auch dem Schutz der Gemeindemitglieder vor Verfolgung diente.

In der italienischen Gotik wird spürbar, dass das antike Erbe und das römisch geprägte Lebensgefühl überwiegt, dass der germanische Einfluss durch die Ostgoten und Langobarden nicht tiefgreifend war - die im übrigen immer nur durch eine zahlenmäßig unbedeutende Oberschicht vertreten waren. In den italienischen Bauwerken aus dieser Zeit wurden zwar, weil es als modern galt, gotische Stilelemente von den Baumeistern aufgenommen, aber mehr oder weniger dekorativ in die antik geprägten baulichen Grundmuster eingefügt. Der Italiener empfindet die Gotik in ihrer vorherrschenden Aufwärtsausrichtung unschön. Er bevorzugt wie die Römer die horizontale Gliederung, die ihm einen sicheren Bezug zur Erde verleiht, die sein Wesen im Gleichgewicht hält.

Im östlichen Mittelmeerraum, hatten sich stabile Machtverhältnisse durch den Fortbestand des oströmischen Reichs bis ins 15. Jahrhundert erhalten. Das Christentum konnte sich in diesem Bereich deshalb kontinuierlich weiter entfalten. In der Folge der frühen christlichen Kirchenbauten in Israel, Palästina und Syrien entstanden zunächst im Zentrum um Konstantinopel erste orthodoxe Kirchen, deren Einfluss von hier aus auf Teile des Balkans und Russlands ausstrahlte. Die Auswirkung auf den Kirchenbau im Okzident war unbedeutend.

Das Orthodoxe Kirchengebäude wurde weiterentwickelt - angeregt durch den spätrömischen Bau der Hagia Sophia - zu einem vielkuppeligen Bau mit zentraler Kuppel, in Kreuzform seitlich angeordneten Nebenkuppeln und über den Kuppeln jeweils mit einem zierlichen Turmbauwerk zur Belichtung des Gebäudeinneren versehen. In der Ausgestaltung durch ihre Formelemente findet die Spätantike einen starken Nachhall.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 10.10.2018 und wird sich mit dem Thema: "Die Renaissancezeit" beschäftigen.