Hansjörgs Blogeinträge

Mensch und Architektur

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Mensch und Architektur" befassen.

Zeig mir Deine Wohnung und ich sage Dir wer Du bist, so lässt sich in Abwandlung des bekannten Sprichworts ein Zusammen-hang im Wohnumfeld zwischen Gebrauch, Ausstrahlung und Beurteilung aufzeigen, sowohl im positiven wie im negativen Sinn. Es leuchtet ein, dass in diesem sensiblen Bereich jeder Bewohner viel aus seinem Inneren offenbart und dadurch bei Besuchern eine Vorstellung von seinem wahren Wesen ermöglicht. Dieser Zusammenhang gilt generell - auch wenn an die Stelle von Wohnung der Begriff ‚Baukultur’ und für Besucher ‚Gesellschaft’ gesetzt wird.

das heißt:

Die Baukultur spiegelt vieles von dem Wesen einer Person oder einer Gesellschaft wieder, durch die sie gestaltet wird, wie auch umgekehrt die Gesellschaft oft in größerem Ausmaß als allgemein bewusst von der umgebenden Umwelt geprägt wird.

Hierfür ein paar Beispiele aus dem Städtebau:

  • leben und arbeiten in Streusiedlungen: bei einigen germanischen Stämmen die übliche Wohnform im landwirtschaftlichen Bereich. Zum Ausdruck kommt hier das Bedürfnis zu Freiheit und Unabhängigkeit, aber auch zu Praktischem wie, kurze Arbeitswege, wenig Möglichkeit zu Belästigungen usw.

  • leben und arbeiten in dichten Siedlungsstrukturen: fordert soziales Bewusstsein, eine Differenzierung der Gesellschaft, höhere Effizienz bei der Lösung gemeinsamer Aufgaben usw.

Leben im öffentlichen Straßenraum dichter Besiedlungen:

Früher: Ort intensiven Geschehens wie sich begegnen, sich informieren, einkaufen und handeln - teils auf der Straße, teils in den angrenzenden Gebäuden - Hauptaktionsplatz für Kinder und Erwachsene usw. sowie natürlich auch für Personen- und Warenverkehr,

Heute: fast ausschließlich Ort für Individual- und Massenverkehr, der Handel findet in Versorgungszentren am Rand oder außerhalb der Wohngebiete statt und Kinderspiele auf organisierten, ‚sicheren’ Spielplätzen.

Die Kultur der freien Kinderspiele im öffentlichen Bereich ist weitgehend verloren gegangen. Der gestalteten Umwelt kann sich im Grunde niemand entziehen und sie ermöglicht, Rückschlüsse über den Sozialstatus einer Gesellschaft. Der soziale Gedanke in der Architektur spielte in der griechischen Klassik nach heutigem Wissen eine untergeordnete Rolle, weil damals ein Anspruch auf soziale Rechte ausschließlich den reichen demokratischen Oberschichen zustand und die untergebenen Bevölkerungsschichten wie z. B. Sklaven in das Hauswesen der Besitzerfamilie einbezogen waren.

Erst in Rom, durch Kapitalanhäufungen in den Händen weniger, sowie durch die massive Trennung breiter Bevölkerungsschichten in wenige Besitzer und viele Nichtbesitzer von Grund und Boden in Ballungsgebieten, mit Beginn der Industrialisierung in den Städten und dem damit verbundenen Massenaufkommen einer Arbeiterschaft kam es zu der Notwendigkeit, bezahlbaren und menschenwürdigen Wohnraum in Mietshäusern zur Verfügung zu stellen.

Auch hier wird Architektur Teil unserer gesellschaftlichen Bedürfnisse und trotz zunehmendem Wohlstand bleiben die sozialen Zwänge bei der Beschaffung von Wohnraum bestehen.

Beispiel:

Wie kann bezahlbarer Wohnraum für alle geschaffen und zur Verfügung gestellt werden?

Hierbei gehören in Deutschland Ansprüche auf hochwertige hygienische Verhältnisse ebenso zu den Selbstverständlichkeiten wie bequeme Heizung, Versorgung mit Kalt- und Warmwasser, leicht zu reinigende Einrichtungen einschließlich Badezimmer, WC, Küche, ausreichende Belichtungs- und Belüftungs-möglichkeit, guter Schutz vor Schall, Wärme und Feuchtigkeit, zunehmend auch Einsparung durch Unabhängigkeit von Energielieferanten usw.

Während heute Wohnen eher gesundheitliche und wirtschaftlich effiziente Ziele verfolgt, stand bis vor einhundert Jahren eher Eignung zur Repräsentation auf der Wunschliste ganz oben wie: kunstvolle Hauseingänge und Treppenräume, lange Flure, hohe, quadratische Räume und Raumfluchten, handwerklich hochwertige verzierte Fenster, Türen, Leibungen und Fußleisten, aufwendige Tapeten, Friese und Gardinen, Wohnausrichtung zur Straße usw. Die allgemeine Aufmerksamkeit liegt heute mehr bei optimalen Funktionen und hellem Wohnumfeld.

Früher waren Gesellschaftsräume mit Flügel oder Bücherregalen zur Kontaktpflege ausgestattet, oder es gab wenigstens die kaum genutzte gute Stube.
Heute spielt der Standort des Fernsehers, der Komfort, der gesundheitliche Aspekt eine wichtige Rolle. Die sich hieraus ergebenden Konsequenzen für die Grundrissgestaltung mögen ein Beispiel für die Wechselbeziehung Mensch und Architektur sein.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 05.09.2018 und wird sich mit dem Thema: "Entwicklung der Architektur in der abendländischen Kultur" beschäftigen.

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Anfänge der Gesellschaftsentwicklung

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Anfänge der Gesellschaftsentwicklung" befassen.

Der nachfolgende Abschnitt geht von der These aus, dass Bewusstseinsstufen und Handlungsweisen stets miteinander verknüpft sind entsprechend dem Geist der jeweiligen Zeitepoche und der handelnden Personen.
Am Anfang lebte der Mensch in Gemeinschaften innerhalb von familienähnlichen Verbänden und entwickelte erste Sozialstrukturen mit gesellschaftlichen Aufgabenverteilungen, wie Nahrungsvorsorge, Vorsorge für Nachkommen und Erhalt der Sippe.

Der Mensch war den Naturgewalten wie Unwetter jeglicher Art, Hitze und Kälte ausgeliefert. Er konnte sich am Anfang seiner Entwicklung nur unter klimatisch optimalen Bedingungen behaupten und musste später bei seiner Ausbreitung über die Erde sich - im Gegensatz zu den Tieren, deren Schutzvorrichtung genetisch veranlagt ist - durch eigene effiziente Maßnahmen schützen lernen.
Mit Beginn seiner Sesshaftwerdung könnten bei zunehmender Siedlungsdichte und bei fehlenden natürlichem Ressourcen durch eine beginnende Agrarkultur wie Ackerbau und Viehzucht erste Formen von Unterkünften vorzugsweise im Schutze von besonderen geologischen Gegebenheiten wie Höhlen, Felsüberhängen usw. entstanden sein.

Später wurden zur allgemeinen oder persönlichen Lebensgrundsicherung - wie kurz oder langfristiges Wohnen, Sicherung der beweglichen und unbeweglichen Güter, Verteidigen usw. - einfache Katen, Stein- und Pfosten-häuser errichtet. Dabei bediente sich der Mensch vorhandener, natürlicher Materialien und fügte sie unter Einhaltung der statischen Erfordernisse zweckentsprechend zusammen.

Erste Unterkünfte waren oft transportabel oder bestanden aus einem Raum für den vorübergehenden oder dauerhaften Schutz.
Später wurde der Raum größer, oder es kamen mit zunehmender Differenzierung der Gesellschaft und deren Bedürfnisse weitere Räume hinzu. Hierbei orientierten sich die Bewohner teils an Vorbildern aus der Natur oder sie entwickelten je nach vorhandenen Materialien, Nutzungsanforderungen, topografisch meteorologischen Gegebenheiten eigene Ausformungen wie
z.B.
- in klimatisch kälteren Regionen eher kleine Siedlungsstrukturen aus Holz und
- in klimatisch mittleren Regionen teilweise größere Stadtanlagen mit Wohn-vierteln, Versammlungs- und Markthallen, religiöse und der Verteidigung dienenden Anlagen aus Fachwerk oder Stein.

Ursprünglich war der Mensch Teil seiner natürlichen Umgebung und konnte nur durch Anwendung besonderer Verhaltensformen und Techniken überleben. Das trifft auch heute noch zu, jedoch der Anteil seiner natürlichen Umgebung wird immer kleiner. Heute grenzt sich der Mensch zunehmend von der Natur aus z.B. durch den Bau von Hochhäusern und riesigen Wohnanlagen.

Diese Entwicklung ging und geht natürlich je nach Umweltbedingungen und geschichtlicher Situation langsam, in vielen Gegenden unterschiedlich mit vielen Fort- und Rückschritten von statten.
In frühen Zeiten, als der Homo Sapiens noch nicht wie heute analytisch denken konnte, wurde sein ganzes Bewusstsein von der Umwelt und seinen Empfindungen vereinnahmt wie Hunger, Angst und vor allem Suche nach Sicherheit. Entsprechend wurde die Umgebung des Menschen selbstverständlicher Bestandteil seiner Empfindungen wie:

Höhle = Geborgenheit,
Speerspitze = Angriff usw.

Am Anfang dieser Phase wurde der Mensch von seinem intuitiven Denken geleitet und er empfand vielleicht den Zustand des bedingungslosen Ausgeliefert seins in der Natur, ohne selbst bestimmend eingreifen zu können als ‚paradiesischen Zustand’.

Dieses Urempfinden ist auch heute noch vorhanden. Viele Grundregeln lassen sich beim Beobachten von Kleinkindern erahnen, wenn sie spielen, z.B. in der Selbstverständlichkeit wie sie Situationen, die Erwachsene als bedrohlich empfinden, hinnehmen, wie sie mit Tüchern und Bändern schützende Bereiche und ihre Butzen aufbauen.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 29.08.2018 und wird sich mit dem Thema: "Mensch und Architektur" beschäftigen.

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Wechselwirkungen von Menschheits- & Architekturgeschichte

-und die Entwicklung des Denkens-

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Wechselwirkung von Menschheitsgeschichte und Architekturgeschichte und die Entwicklung des Denkens" befassen.

Speziell in der Malerei lässt sich die Entwicklung der Wahrnehmung im menschlichen Denken am Verlauf ihrer Geschichte aufzeigen. In frühen Darstellungen wurden nur wenige, wichtige Motive einschichtig nebeneinander dargestellt, die meist einem bildhaften Zauber unterliegen.
Mit beginnender Kulturentwicklung kann eine zunehmende Differenzierung oder symbolhafte Ausstattung in den Motiven festgestellt werden, z. B. durch den Versuch, zusammenhängende Geschichten in neben- oder hintereinander gestaffelten Ebenen zu erzählen.

Der Mensch war in seinem Denken noch nicht so weit, Gesichter und Landschaften räumlich auf einer ebenen Fläche umzusetzen. Erste Ansätze einer räumlichen Darstellung sind in den römischen Malereien der Spätzeit und aus jüngerer Kunstgeschichte ab der Frührenaissance zu finden. In seinem Denkvermögen ist der Mensch jetzt in der Lage, eine drei-dimensionale Wirklichkeit auf eine zweidimensionale Scheinwelt zu reduzieren.
Ein weiteres Beispiel aus der plastischen Kunst: In gleicher Weise wie eine Darstellung in der Malerei Rückschlüsse auf den Entwicklungsstand des Denkens bei den beteiligten Künstlern zulässt - einen Raum von allen Seiten zu erfassen - lässt sich diese Entwicklung auch auf die plastische Kunst übertragen.
Ursprünglich hatte eine Vollplastik meist einen symbolhaften Wert etwa in der Darstellung einer Gottheit oder allgemein einer Herrschergestalt, ohne sie zu porträtieren.

Mit beginnender Erfassung des Raums tritt aber auch die Einzelpersönlichkeit immer mehr in Erscheinung, d.h. die Gesichter erhalten individuelle Züge. Die Büste, bei der es um die Abbildung einer bestimmten Einzelperson geht, wird entwickelt.

Das Geschichtsbild der abendländischen Kultur wird überwiegend von Ereignissen aus dem Europäisch – Vorderasiatischen Raum geprägt. Es ist also zu hinterfragen, ob es an anderer Stelle ähnliche Voraussetzungen gegeben hat, die eine ähnliche Entwicklung vom gefühlsbestimmten zum analytisch geprägten Denken möglich gemacht haben.
Als allgemeine Aussage ist festzuhalten, dass der Prozess hin zu abstraktem Denken mit der Fähigkeit zum dreidimensionalen Vorstellungsvermögen verbunden ist, dass dieser Prozess nicht überall zeitgleich stattgefunden hat, aber in Europa zum ersten Mal vollzogen wurde.
Das Gehirn des Menschen ist ein Hochleistungsorgan, dessen Grenzen noch lange nicht erreicht sind. Der Abschnitt über die Entwicklung des Denkens wurde hier nicht nur wegen der wichtigen Erkenntnismöglichkeiten aus Geschichte, sowie Art und Weise der Gestaltung unserer Umwelt, insbesondere der Architektur vertieft, sondern auch, um darauf hinzuweisen, dass denken kein von Anfang an naturgegebenes Geschenk ist, dass diese Fähigkeit durch logische Wissenschaften und künstlerisches Betätigen von Kind auf erarbeitet werden muss.
Es ist besonders im Zeitalter der Computertechniken und der virtuellen Welten wichtig, dass das Denken nicht durch bloßes Konsumieren manipulierbar gemacht wird, sondern durch sinnvolles Handeln weitergeschult wird.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 22.08.2018 und wird sich mit dem Thema: "Anfänge der Gesellschaftsentwicklung" beschäftigen.

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Heilpädagogische Einrichtungen

Heilpädagogische Einrichtungen

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Heilpädagogische Einrichtungen" befassen.

Aufgabe einer heilpädagogischen Ganztagseinrichtung bedeutet, durch geeignete pädagogische Maßnahmen auf die Möglichkeit der Entfaltung der Persönlichkeit und auf die soziale Eingliederung in die Gesellschaft hinzuwirken. Ziel der heilpädagogischen Bemühungen ist, je nach individueller Situation, die Rückführung in die eigene Familie, Pflege- oder Adoptivfamilie, Betreutes Wohnen oder direkte gesellschaftliche Eingliederung in die Eigenständigkeit und Selbstverantwortung.

Aufgabe muss sein, einerseits die besondere Betreuung durch ausgebildete Pädagogen in Gruppen- und Behandlungsräumen durch Angebot und Raumzuschnitt zu unterstützen, andererseits darf aber die räumliche Ausgestaltung sich nicht so weit von einem üblichen Rahmen entfernen, dass eine spätere häusliche Wiedereingliederung wegen falscher Vorstellung von dem was üblicherweise normal ist, problematisch werden kann.

Ein sozialpädagogisch wichtiges Anliegen ist, dem zu Betreuenden Sicherheit in einem sinnvoll erfüllten Leben zu geben. Erreichbarkeit, Eingang, Erschließung und Orientierbarkeit kann ähnlich ausgelegt sein wie in ‚Bauen für Kinder’ beschrieben, ähnlich auch die Anforderungen an den Standort, die Nachbarschaft und die Zuordnung zu Freibereichen mit vielfältigen Erfahrungsmöglichkeiten, die keinerlei Einschränkung für die pädagogische Arbeit zulassen, aber auch Raum geben, um sich zurückzuziehen.

Spitzwinklige Innenecken sollten vermieden werden, weil damit verbunden, die Gefahr besteht, dass z. B. Personen mit zwangsneurotischer Psychopathie so sehr in ihrer Vorstellungswelt eingefangen werden, dass es großen Zuspruchs bedarf, sie aus einer solchen Ecke wieder herauszuführen.

Heilpädaogische einrichtungen

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 15.08.2018 und wird sich mit dem Thema: "Wechselwirkung von Menschheitsgeschichte und Architekturgeschichte und die Entwicklung des Denkens" beschäftigen.

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Bauen für Kinder

Bauen für Kinder

Willkommen auf meinem Blog. In den nächsten Wochen werde ich mich in diesem Blog mit dem Thema der Formensprache beschäftigen. Jeden Mittwoch wird es einen neuen Beitrag geben. Einen kurzen Themenüberblick finden sie hier. Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema "Bauen für Kinder" befassen.

Sind Erfahrungen aus der Erwachsenenwelt auf die Kinderwelt übertragbar?
Diese Frage kann nur mit Einschränkung bejaht werden. Voraussetzung ist ein echtes Verständnis für das Erleben in der Kinderwelt.

Wo liegen die Unterschiede?
Kinderwelt ist keine kleine Erwachsenenwelt oder Spaßwelt, wie sie von vielen, auch von Architekten falsch eingeschätzt wird, sondern sie ist eine eigene Welt, in der jedes Kind durch die Erziehung zunächst die eigene körperliche und dann in Teilen die kulturelle Entwicklung des Kulturkreises, in das es hineingeboren wurde, durchlebt. Das kann aus vielen Kinderzeichnungen hergeleitet werden.

Für die Architektur bedeutet das, eine Abstimmung mit den verantwortlich begleitenden, Pädagogen zu suchen. (Vorschriften über Barrierefreies Bauen sind einzuhalten) Es ist deshalb mit Sicherheit wichtig, auf die Bedürfnisse der Kinder, die sie selber nicht formulieren können, durch entsprechendes architektonisches Gestalten hinzuwirken.

Pädagogische Überlegungen:
Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen Fähigkeiten und Begabungen. Es gehört zu den erzieherischen Aufgaben, diese zu formen und zu fördern. Wird das Kind in eine Kindergartengruppe aufgenommen, erlebt es zunächst seine eigene Gruppe und lernt später andere Gruppen des Kindergartens kennen. Kindergartengebäude und Außenanlagen sollten darum so gestaltet sein, dass sie um das Kind schützende Hüllen bilden, um trotz ständig sich erweiternden Umfeldes, ihm das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit zu geben.

Entwicklung findet in rhythmischem Wechsel zwischen polaren Bestrebungen statt. Wird Geborgenheit und Sicherheit erlebt, erwächst die innere Kraft, neue sinnliche und soziale Erfahrungen zu machen. Die Architektur sollte versuchen, für diese Bedürfnisse eine angemessene Lösung anzubieten. Denn durch Einsatz entsprechender Gestaltungsmittel hat sie unmittelbaren Einfluss auf das Gefühls- und Gemütsleben des Menschen, besonders stark auf das des noch bildsamen Kindes zu nehmen, wie zum Beispiel: Größenverhältnisse, Wiederholungen von Formen, Varianten, Winkel, gerade Wege oder solche mit Umwegen, gestreckte oder kompakte Räume, die Wahl von Oberflächen usw.

Hierbei ist das richtige Verständnis für die Wirkungsweise von Formen und Farben auf das menschliche Empfinden zu bedenken.

Materialien:
Die Wahl der Baustoffe sollte dem Kind ein Gefühl für die Echtheit eines Materials vermitteln. Physikalische Eigenschaften wie schwer oder leicht, hart oder weich, zusammengesetzt oder aus einem Guss, kalt oder warm, gleich bleibend oder sich verändernd usw. sind Sinneseindrücke, die dem Kind ein differenziertes Erleben natürlicher und damit elementarer Baustoffe vermitteln. Form und Inhalt müssen sich entsprechen. Die Erlebnisvielfalt soll im Kind eine Vielzahl sinnlicher Wahrnehmungen ermöglichen, Bewusstsein anlegen und erweitern.

Gestalterische Aspekte:
Die Gestaltung des Gebäudes kann dem Urtyp eines Hauses angepasst werden. Die Hülle des Gebäudes entsprechend dem klassischen dreigliedrigen Aufbau:

Bauen für Kinder 2

Es besteht aus einem beschützenden Dach, dem Baukörper und Basissockel über dem Erdreich, dem dreigliedrigen Menschenbild entsprechend, auch in der gesamten Detailausbildung keine Anwendung willkürlicher Formen, sondern bewusst vorgenommene Gestaltung:

Der Eingangsbereich ist maßstäblich und so darzustellen, dass er dem Kind schon beim Betreten des Gebäudes ein Gefühl des vertraut seins und der Sicherheit vermittelt. Des Weiteren ist im Innern des Gebäudes eine Halle oder ein markanter Punkt z.B. durch einen Kamin auszubilden, der von vielen wichtigen Stellen aus sichtbar der Orientierung in allen Verkehrsbereichen dient. Gruppenräume sind so anzulegen, dass sich auf dem Weg dorthin und innerhalb dieser sich viele Möglichkeiten des Erlebens ergeben.

Diese sind durch die Art der Raumanordnung so anzulegen, dass sich die Kinder entweder zurückziehen oder der Außenwelt zuwenden können. Die Gruppenräume sollten so zugeschnitten sein, dass aus Sicherheitsgründen ein Weg ins Freie sowohl direkt oder beispielsweise über eine Schmutzschleuse oder über einen rückwärtigen weiteren Zugang von außen stattfinden kann.

Der nächste Blogbeitrag erscheint am 08.08.2018 und wird sich mit dem Thema: "Heilpädagogische Einrichtungen" beschäftigen.